Herausragende künstlerische Qualität

Eckart Kissling informiert Gäste über die Bedeutung der Grisaille-Fensterrose in der Zisterzienserkirche in Schulpforte

SCHULPFORTE.Es sei ohne Beispiel in, dass eine Fensterrose in einem Gotteshaus an dieser Stelle - versteckt, an der Nordseite - wie in der Klosterkirche Pforta angebracht wurde. Darüber informierte Eckart Kissling, (Foto, Mitte) ehemaliger Prokurator der Stiftung Pforta und Mitautor des Buches "Schulpforte" in einer Sonderführung. Dazu hatte der Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut eingeladen. Die außergewöhnliche hochmittelalterliche Fensterrose, die in Grisaille-Technik angefertigt wurde, konnte vor wenigen Monaten nach umfänglichen Restaurierungsarbeiten wieder eingesetzt werden. Die so genannte Nachtseite der Kirche wurde im Auftrag der Zisterziensermönche gewählt für Illustrationen wie zum Beispiel Dämonen, die das Unheil abwenden sollten. Allerdings, so erläuterte Kissling, durfte die Grisaille-Malerei nicht im Detail von den Menschen in Augenschein genommen werden. Die Fensterrose ist viel zu hoch angebracht. Die Betrachtung durch das menschliche Auge sei im Mittelalter unzulässig gewesen, so Kissling. Besucher die jetzt in die Klosterkirche kommen, erhalten jedoch die Möglichkeit, die nahezu surrealistisch anmutenden Illustrationen der Fensterrose auf einer großen Fotografie genau betrachten zu können. Das ehemalige Zisterzienserkloster St. Marien zur Pforte zeichnet sich nicht nur durch seinen nahezu vollständig erhaltenen mittelalterlichen Architekturbestand aus, sondern auch durch höchst bedeutende Ausstattungselemente, die die Jahrhunderte teils seit romanischer Zeit überdauert haben. Das Fenster gehört zur ursprünglichen reichen Ausstattung des Chores, der zwischen 1251 und 1268 im Zuge des Umbaus der romanischen Abteikirche zur wichtigsten hochgotischen Zisterzienserkirche Deutschlands entstand. Sie sind in der als "Grisaille" (Malerei in Grau Schwarz) bezeichneten, zeittypischen mittelalterlichen Malereitechnik hergestellt und zeichnen sich durch einen für die zisterziensische Kirchenkunst überaus bemerkenswerten darstellerischen Reichtum aus. Neben ornamentalen Mustern zeigen sie vor allem pflanzliche Motive, wie etwa Weinlaub, das an die Bedeutung des gerade durch die Mönche des Klosters Pforte in der Region zur Blüte gebrachten Weinbaus erinnert. Eine überraschende Besonderheit sind der akzentuierte Einsatz von runden farbigen Gläsern sowie vor allem die Darstellung von drachenköpfigen, geflügelten Fabelwesen.
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Ihr authentischer Erhaltungszustand, ihre herausragende künstlerische Qualität, vor allem aber ihr großer Seltenheitswert - in ganz Europa sind nur wenige Zeugnisse zisterziensischer Glaskunst erhalten - begründen die überregionale Bedeutung der Glasfenster der Pfortaer.

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