Die Klosterlandschaft Pforta auf dem Weg zum Europäischen Kulturerbe-Siegel

Im Klostergelände des ehemaligen Zisterzienserkloster Pforte

Schulpforte, Naumburg. Auf dem Weg zum Europäischen Kulturerbe-Siegel haben die Stiftung Schulpforta und der Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut e.V., unterstützt vom Burgenlandkreis und der Stadt Naumburg einen neuen entscheidenden Schritt getan. Am 15. Dezember 2020 wurde der offizielle Antragsentwurf der Klosterlandschaft Pforta an die Leitung des transnationalen Projektes "Cisterscapes - Cistercian Landscapes connecting Europe" ("Zisterziensische Klosterlandschaften, die Europa verbinden") in Bamberg übergeben.

Der Borsdorfer Apfel als europäisches Zeichen
Im Mittelpunkt des in 2023 beginnenden Pforta-Projektes steht der Borsdorfer Apfel, von dem man inzwischen mit einiger Sicherheit ausgehen kann, dass er durch die Pfortenser Zisterzienser in Porstendorf bei Jena, einem ehemaligen Wirtschaftshof des Klosters, gezüchtet worden ist. Dieser Kulturapfel wurde durch die Mönche in ganz Europa verbreitet. Besonders bemerkenswert ist, dass er nicht nur den üblichen Weg in die Tochterklöster gen Osten vollzog, sondern sich auch in Richtung Westen zurück zu seinen Mutterklöstern verbreitete. Der Apfel selbst soll wieder an historisch nachvollziehbaren Stellen der Klosterlandschaft kultiviert werden. Er dient als Bindeglied zur Erforschung der zisterziensischen Geschichte in ihrer europäischen Bedeutung. Im Zuge dessen stehen unserer Region in Zukunft viele spannende Einzelprojekte bevor.

Das Europäische Kulturerbe-Siegel wird seit 2011 von der Europäischen Union an Kulturstätten und Kulturlandschaften mit besonderer europäischer Bedeutung verliehen. Nach der erfolgreichen Erlangung des UNESCO-Welterbetitels für den Naumburger Dom konnte auf viele Erfahrungswerte und Expertisen des Antragsverfahrens zurückgegriffen werden. Dass nun neben dem Dom auch die hochmittelalterliche Kulturlandschaft ausgezeichnet werden soll, ist durchaus konsequent: in der ersten Version des damaligen Antrages war sie ein elementarer Bestandteil.

Das größte Antragsverfahren seit Bestehens des Siegels
Die Klosterlandschaft Pforta steht dabei nicht allein da: unter Leitung des Landkreises Bamberg bewerben sich insgesamt 18 europäische Klosterstätten aus 6 Ländern mit ihren dazugehörigen Kulturlandschaften auf ein gemeinsames Europäisches Kulturerbe-Siegel. Die derzeitigen Partnerstätten kommen aus Frankreich, Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich und Slowenien. Damit stellt dieses transnationale Projekt das größte seiner Art seit Bestehen des Europäischen Kulturerbe-Siegels dar. Die Vielseitigkeit der Klosterstandorte, die dennoch nach einheitlichen Vorgaben gebaut und belebt waren, demonstriert in ganzer Deutlichkeit die europäische Dimension der Zisterzienser-Ausbreitung.

Das internationale Projekt "Cisterscapes - Cistercian Landscapes connecting Europe" ist zugleich Zeuge wie auch Aufforderung. Die Klosterlandschaften und die zisterziensische Vernetzung sind historische Zeugen einer hochmittelalterlichen Zeit, in welcher der Grundstein für das moderne heutige Europa gelegt wurde. Die Verbreitung der Zisterzienser hat Europas Kulturlandschaften und gemeinsame Identität nachhaltig geprägt, wenn nicht sogar erst geschaffen. Daraus entsteht die heutige Verantwortung, dieses paneuropäische Kulturerbe nicht nur hochzuhalten und zu achten, sondern auch europäische Einheit zu leben und zu schützen.


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