Mitteldeutsche Zeitung berichtet über Welterbewandertag

Berichterstattung zum ersten Welterbewandertag an Saale und Unstrut im Naumburger Tageblatt/Mitteldeutsche Zeitung vom Montag. 7. April, 2014, Seite 7. Autor: Redakteur Gerd Stöckel.

Hunderte zu Fuß und auf Rad unterwegs

VON GERD STÖCKEL
FREYBURG - Frühlingslüfte wecken Wanderlust. Das war jedoch nicht der einzige Grund, der Marlena Bohn aus Naumburg und Jutta Schulze aus Querfurt am Sonnabend nach Freyburg geführt hatte. "Wir wollen den Welterbe-Antrag unterstützen", sagte die Naumburgerin. Die beiden gehörten zu den Teilnehmern an der vom Förderverein Welterbe initiierten Sternwanderung und hatten sich einer der drei Wandergruppen angeschlossen, die von Zscheiplitz nach Freyburg unterwegs waren. "Weil das die kürzeste Strecke ist", bekannte Marlena Bohn.
Am Eckstädter Turm verfolgten sie aufmerksam die Erläuterungen von Freyburgs Bürgermeister Udo Mänicke zur hochmittelalterlichen Stadtanlage von Freyburg, die sich bis heute erhalten hat. Mänicke hatte dazu eigens seine mit Zobel verbrämte Amtstracht angelegt, in der er sich sonst nur zum Winzerfest zeigt.
Auch an anderen Stellen erhielten Wanderer aus berufenem Mund Informationen zur Welterbelandschaft und ihren Bauwerken. Auf dem Schweigenberg, einem der prägenden Weinberge der Region, gab Roland Thrän Auskunft zum Stand des Antragsverfahrens. Die Unterlagen sind von der Unesco bekanntlich ohne Nachbesserungswünsche entgegengenommen worden. "Dass wir da jetzt erstmal nichts weiter hören, ist eher ein gutes Zeichen", meinte der Geschäftsführer des Welterbevereins. Die Juroren werden laut Thrän im September in der Region erwartet.
Wetter ermuntert zu Teilnahme
Wanderergruppen waren auch in Eulau und Saaleck aufgebrochen, hatten sich zudem per Rad von Naumburg über Goseck und von Bad Kösen über Großjena nach Freyburg aufgemacht oder waren auf dem Unstrutradweg von Freyburg bis Burgscheidungen und zurück geradelt. Ziel für alle war Freyburgs Marktplatz. Dieser bevölkerte sich am Nachmittag zusehends, und kurz nach 15 Uhr waren die Bankreihen vor der Bühne dicht gefüllt. Da hellten sich dann auch die Mienen der Organisatoren auf. Am Morgen waren sie etwas im Ungewissen gewesen, hatte doch nur ein Teil der Teilnehmer die Möglichkeit zur Anmeldung genutzt. Ideales Wanderwetter hatte zudem wohl auch manch Kurzentschlossenen von der Couch gelockt.
Auf die Tische geklopft
600 Teilnehmer hatte Pressesprecherin Helga Heilig auf Freyburgs Markt gezählt, etwa 100 seien noch unterwegs. Mancher empfand bei der Ankunft wohl dasselbe wie Naumburgs Oberbürgermeister Bernward Küper, der auf der Bühne schwärmte: "So eine Radfahrt durch das Saale-Tal hinauf ins Unstruttal lässt das Herz aufgehen". Die Jury, die über den Welterbe-Antrag entscheidet, wolle nicht zuletzt wissen "wie stehen die Menschen dahinter", machte Landrat Harri Reiche einmal mehr aufmerksam. Um deren Identifikation mit dem Antrag zu verdeutlichen, solle man doch mal gehörig auf die Tische klopfen, ermunterte Domherr Curt Becker das Publikum, was dieses dann auch tat. Freyburgs Bürgermeister dankte den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die als Wanderführer mitgewirkt und den gebührenden Empfang der Gruppen auf dem Marktplatz ermöglicht hatte. Dort herrschte Weinfeststimmung. Die Big-Band der Kreismusikschule spielte, die Rotkäppchen-Sektkellerei und das Weingut Grober-Feetz schenkten aus, und für einen herzhaften Imbiss war an mehreren Ständen gesorgt. Frauen des Schleberodaer Heimatvereins hatten im alten Dorfbackhaus große Blechkuchen gebacken, was einer Menge von 23 Herdblechen entspricht und wovon der gefüllte "Krumpel-Kuchen" der gefragteste war.

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