Schönheit der erhaltenen Malerei ist ganz aus der Nähe zu sehen

SCHULPFORTE -Auf den ersten Blick außerordentlich beeindruckend ist die Größe des hochmittelalterlichen Holztafelkreuzes in der Zisterzienserkirche Schulpforte. Das stellten die zahlreichen, vom Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut eingeladenen Interessierten während einer Führung fest. Dieses monumentale Kreuz ist genau 4,76 Meter lang, 3,12 Meter breit und wiegt über 200 Kilogramm - 20 Kilogramm mehr mit der Kette, an der es aufgehängt war. Es wurde in der Zeit um 1240 bis 1250 gefertigt. Darüber informierte Restauratorin Stephanie Exner (Foto 3.v. rechts) die Gäste. Das wertvolle Holztafelkreuz wurde zwecks diverser wissenschaftlicher Untersuchungen und notwendiger Restaurierungsarbeiten von der Kette genommen und in der Kirche "eingehaust". Das heißt, es befindet sich in einer extra errichteten Werkstatt innerhalb des Gotteshauses. Die Arbeiten am Holztafelkreuz geschehen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgütern. Die Untersuchung und Restaurierung des Holztafelkreuzes ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Schulpforte und der Landesschule Pforta.
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Das einmalige Kunstwerk aus dem Hochmittelalter weist etliche Besonderheiten auf, weiß Stephanie Exner. Es ist auf beiden Seiten bemalt, das Holz ist Eiche. Noch ist es nicht genau erkennbar, aber die Bemalung hatte einst einen "prächtig goldenen Hintergrund". Der derzeitige Zustand ist darauf zurückzuführen, dass das Werk im 18. oder 19. Jahrhundert von seinem ursprünglichen Standort entfernt wurde. Erst 1922 hat man es wiederentdeckt - in einem sehr schlechten Zustand, so Frau Exner. In den 20er Jahren wurde es in Halle "neutral restauriert", und in der Klosterkirche aufgehängt.

Während des derzeit laufenden Forschungsprojekts soll das Kreuz im übertragenen Sinn auf Herz und Nieren geprüft werden. Es wird geröntgt und mikroskopisch untersucht. Die Wissenschaftler wollen erfahren, wie und mit welchen Materialiendas Kreuz bemalt war. Stephanie Exner informierte, dass die verlorengegangene Bemalung nicht wieder ersetzt werden soll, da man zu wenig weiß, wie sie ausgesehen hat. Vorgesehen ist eine Reinigung und "vorsichtige Ergänzung". Ab 2015 wird das Holztafelkreuz wieder an seinem angestammten Platz zu sehen sein. Bis dahin haben Interessierte die einmalige Gelegenheit, es ganz aus der Nähe zu betrachten und die Schönheit der erhaltenen Malereien zu bestaunen.
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Zur Erläuterung: Das Tafelkreuz gehört zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche. Es hat sich als eines der wenigen Kunstwerke aus der Entstehungszeit des Gotteshauses erhalten. Das Kreuz gehört zu den wenigen erhaltenen Beispiele mittelalterlicher Tafelmalerei. Es ist nur noch vergleichbar mit den Kreuzen in Polling bei München und im Kloster Loccum in Niedersachsen.

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