Ergebnisse der Grabungen in Goseck

Bericht aus der Mitteldeutschen Zeitung, Ausgabe Weißenfels, vom 21. Juli 2014, Seite 9

Des Professors härteste Nuss
VON HOLGER ZIMMER
GOSECK/MZ.Monique und Reinhard Lamp aus Hamburg sind zu Besuch bei Freunden in Naumburg. Der Einladung zu Vortrag und Schlossführung in Goseck vor der Mitgliederversammlung des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut konnten sie nicht widerstehen. Und der Senior, der die Kirche schon einmal vor deren Sanierung besucht hatte, sagte: "Ich wusste nicht, dass die Slawen sogar 30 Kilometer westlich der Saale gesiedelt haben." Darauf hatte Professor Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther-Universität Halle während seines Vortrages verwiesen. Er leitete die Ausgrabungen im Schloss, die im Jahr 2005 im Rahmen eines Aufbaustudienganges zur Denkmalpflege begannen, bei dem Architekten mit der Archäologie bekannt gemacht werden sollten. Nach fünfeinhalb Jahren fanden die Grabungen ein abruptes Ende, sodass die teilweise ganzjährigen Forschungen nicht beendet werden konnten.

Stephan betonte: "Für mich war Goseck die härteste Nuss, die ich zu knacken hatte." Er verwies auf den Fund von Mauern im Zuge des Einbaus einer Zisterne, blieb aber vorsichtig und datierte sie ans Ende der Burg-Zeit oder an den Anfang des Klosters. Auch bei einer weiteren Mauer, die sich im Schlosshof fand, hätte man weitergraben müssen. Derzeit bleibt nur die Vermutung, dass es sich um die Reste der Burgkirche handeln könnte. Als erwiesen sieht es der Professor angesichts der Funde an, dass die Pfalzgrafenburg tatsächlich auf diesem Bergsporn existiert hat und nicht zwei Kilometer entfernt in der Nähe der ehemaligen Kiesgrube. Eine Grabung dort sei wie die Suche in einem Heuhaufen gewesen. Sie hat Funde über Jahrtausende hinweg zutage gefördert und hätte weitergeführt werden müssen.

Hans-Georg Stephan: Das Schlossareal war 1.200 Jahre lang kontinuierlich besiedelt Die Aufschüttungen seien gewaltig und unter der Schenke fünf Meter stark. "Am Saalehang sind unter Lebensgefahr alte Scherben aus sieben Meter Tiefe geborgen worden." Der Fachmann verweist auf den Pfalzgrafen mit Adalbert und dessen Brüder vor fast 1.000 Jahren, die das Kloster gegründet haben. Er vermutet, dass hier die Vorgänger des späteren Geschlechts der Wettiner gelebt haben könnten.

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