Himmelslicht der Zisterzienser leuchtet wieder

Pressemitteilung 27.5.2013

Europaweit einzigartige Fensterrose der Zisterzienser in die Klosterkirche von Schulpforte zurückgekehrt

Das ehemalige Zisterzienserkloster St. Marien zur Pforte nahe Bad Kösen im Burgenlandkreis zeichnet sich nicht nur durch seinen nahezu vollständig erhaltenen mittelalterlichen Architekturbestand aus, sondern auch durch höchst bedeutende Ausstattungselemente, die die Jahrhunderte teils seit romanischer Zeit überdauert haben. Selbst unter diesen sind, neben dem hölzernen, farbig gefassten Triumphkreuz aus der Mitte des 13. Jhs., die original erhaltenen mittelalterlichen Grisailleglasfenster der ehemaligen Klosterkirche besonders bemerkenswert.
Die Fenster gehören zur ursprünglichen reichen Ausstattung des Chores, der zwischen 1251 und 1268 im Zuge des Umbaus der romanischen Abteikirche zur wichtigsten hochgotischen Zisterzienserkirche Deutschlands entstand. Sie sind in der als "Grisaille" (Malerei in Grau und Schwarz) bezeichneten, zeittypischen mittelalterlichen Malereitechnik hergestellt und zeichnen sich durch einen für die zisterziensische Kirchenkunst überaus bemerkenswerten darstellerischen Reichtum aus. Neben ornamentalen Mustern zeigen sie vor allem pflanzliche Motive, wie etwa Weinlaub, das an die Bedeutung des gerade durch die Mönche des Klosters Pforte in der Region zur Blüte gebrachten Weinbaus erinnert. Eine überraschende Besonderheit sind der akzentuierte Einsatz von runden farbigen Gläsern sowie vor allem die Darstellung von drachenköpfigen, geflügelten Fabelwesen.
Ihr authentischer Erhaltungszustand, ihre herausragende künstlerische Qualität, vor allem aber ihr großer Seltenheitswert - in ganz Europa sind nur wenige Zeugnisse zisterziensischer Glaskunst erhalten - begründen die überregionale Bedeutung der Glasfenster der Pfortaer Kirche. So ist die aus insgesamt 33 Feldern bestehende Fensterrose im Nordchor, die nun wieder an ihrem ursprünglichen Platz bewundert werden kann, europaweit die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Fensterrose in Grisailletechnik; nicht einmal im französischen Ursprungsgebiet des Zisterzienserordens ist Vergleichbares bekannt.
Seit ihrem kriegsbedingten Ausbau in den vierziger Jahren des 20. Jhs. waren die Fensterrose sowie die übrigen Gläser auf dem Gelände der Landesschule eingelagert, gerieten aber, nach einer ersten umfangreichen Restaurierung in den siebziger Jahren, erst in jüngerer Zeit wieder ins öffentliche Bewusstsein. Umfangreiche Voruntersuchungen der Gläser konnten auf Anregung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Erfurt durchgeführt werden. Die jüngst erfolgte Rückführung der restaurierten Fensterrose ging einher mit der Instandsetzung des Maßwerks, der Reinigung der angrenzenden Wandflächen sowie dem Einbau einer außenseitigen Schutzverglasung und damit der beispielhaften Restaurierung einer ersten raumhohen Wandfläche des Chores. Als erster Schritt hin zur geplanten und dringend notwendigen Inneninstandsetzung der Kirche vermittelt diese nun gewissermaßen als "Musterachse" einen ersten Eindruck von der künftigen Raumgestaltung.
Die Restaurierung ist das Ergebnis einer engen und fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Landesschule Pforta, LDA, Stiftung Schulpforta, des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut e.V., des Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA), sowie der beteiligten Fachfirmen.
Ermöglicht wurde die Realisierung des Projektes durch das finanzielle Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, des Pförtner Bundes und privater Spender. Die Rückkehr der Fensterrose an ihren ursprünglichen Platz stellt eine einzigartige Bereicherung der Kirchenausstattung dar und macht zudem einen Teil der ursprünglichen mittelalterlichen Raumwirkung erfahrbar. Vor dem Hintergrund des in Vorbereitung befindlichen Antrags auf Aufnahme des Naumburger Domes und der hochmittelalterlichen Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut in das UNESCO-Welterbe bildet sie ein weiteres unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal in einem Gesamtensemble von ohnehin nationaler Bedeutung.
Das Zisterzienserkloster St. Marien zur Pforte wurde im Jahr 1137 gegründet, in der Mitte des 13. Jhs. wurde seine romanische Kirche zur hochgotischen Basilika umgebaut. Aus der Zeit um 1300 stammt die für eine Zisterzienserkirche ungewöhnlich reich geschmückte Westfassade der Kirche. Auch weite Teile des romanischen Baubestandes sind erhalten. 1543 wurde das Kloster durch Erlass des Kurfürsten Moritz von Sachsen in die Landesschule Pforta umgewandelt, die noch heute besteht. In ihrer 470jährigen Geschichte brachte sie viele bedeutende Persönlichkeiten hervor, darunter Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Nietzsche und Karl Richard Lepsius. Seit 1990 bietet die Landesschule Pforta als Internatsgymnasium in der Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt mit den Schwerpunkten Fremdsprachen, Musik und Naturwissenschaften wichtige Möglichkeiten der Begabtenförderung.

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