Modellregion für Mitteleuropa

NAUMBURG. Denkmalpfleger aus ganz Deutschland trafen sich in der Akademie Haus Sonneck zu ihrer Frühjahrssitzung. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Städtebauliche Denkmalpflege der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in Deutschland beschäftigten sich mit dem Inhalt des Welterbeantrags der Saale-Unstrut-Region. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand das Thema Kulturlandschaft.Und genau die ist ein zentraler Punkt im Welterbeantrag. Der Fokus liegt im Antrag auf der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft mit ihren zahlreichen Bauwerken aus jener Zeit. "Das Hochmittelalter war eine Zeit des Aufbruchs", stellte Dr. Thoma Gunzelmann in seinem Vortrag fest. Dies sei auch durch den Klimawandel bedingt gewesen, so der Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die Bevölkerung wuchs an, Städte, Klöster und Dörfer wurden gegründet. Und gerade im Bereich zwischen dem Thüringer Becken und der Leipziger Tieflandbucht - in früheren Zeiten Saalepforte genannt - passierte im elften bis 13. Jahrhundert besonders viel. Gunzelmann: "Das Gebiet am Zusammenfluss von Saale und Unstrut ist eine Modellregion für Mitteleuropa und die Geburtsstätte des Konzepts der Kulturlandschaft." Es sei unzweifelhaft, dass diese Landschaft im Hochmittelalter ihren Höhepunkt erreicht habe.
Matthias Därr von Därr Landschaftsarchitekten Halle erläuterte im Anschluss die Methoden und Ergebnisse der Untersuchungen seines Büros zur Kulturlandschaft im Antragsgebiet. Insgesamt sei man bei den Untersuchungen auf 1.129 Elemente gestoßen, die aus der Zeit des Hochmittelalters stammen. 167 Quadratkilometer sind untersucht worden. Hinzugezogen wurde die neuste wissenschaftliche Methode Laserscan. Außerdem hat man historische Karten mit neuen verglichen. Nun gebe es eine fundierte Datenbank, die intensives Quellenstudium ermöglicht.
Nach den Vorträgen schloss sich eine Exkursion ins Welterbe-Antragsgebiet an. Auch dabei stand die Kulturlandschaft im Mittelpunkt. Besucht wurde die Siedlung flämischer Einwanderer Flemmingen, das ehemalige Zisterzienserkloster Pforte und das ehemalige Benediktinerinnenkloster Zscheiplitz.

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