Aus dem Dossier zum UNESCO-Welterbe-Antrag

In der Begründung für die Anerkennung der Saale-Unstrut-Region als UNESCO-Weltkulturerbe heißt es:
"Die Herrschaftslandschaft an Saale und Unstrut ist ein hervorragendes Beispiel für eine durch die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur aktiv geformte Kulturlandschaft des Hochmittelalters. Sie ist ein außergewöhnliches Zeugnis des Landesausbaus im einstigen Grenzraum zwischen dem Heiligen Römischen Reich und nicht christlichen slawischen Territorien."

Im Hochmittelalter (11. bis 13. Jahrhundert) war am Zusammenfluss von Saale und Unstrut ein einzigartiger Umbau von Siedlungs- und Herrschaftsstrukturen zu verzeichnen. Er war mit der Neugründung von Städten und Dörfern, mit Burgen- und Kirchenbauten sowie Klostergründungen verbunden. Laubmischwälder mit historischen Waldgrenzen, Ackerterrassen und Streuobstwiesen lassen auch nach rund 800 Jahren die hochmittelalterliche Landschaftsstruktur erkennen. Die charakteristischen Weinberge zählen zu den ältesten Weinbauanlagen Deutschlands.

Als mittelalterliche kunstvolle Wasserbauanlage der Zisterziensermönche versorgte die Kleine Saale das Kloster Pforta und eine Reihe von Mühlen im Saaletal. Erhaltene Steinbrüche belegen die Herkunft des Baumaterials für die Errichtung der Burgen, Sakralbauten, Stadthäuser, Befestigungsanlagen und Weinbauterrassen.Trotz Weiterentwicklung ist das Grundmuster der Kulturlandschaft als außergewöhnliches Beispiel hochmittelalterlicher Raumorganisation eindrucksvoll erhalten geblieben, stellten die Wissenschaftler fest. Die Stadt Naumburg ist eine ottonische Bischofsstadt, die ihre Gliederung mit einem Dombezirk und der Markt- und Bürgerstadt bis heute bewahrt hat. Freyburg besitzt als Gründung der Thüringer Landgrafen ein regelmäßiges rechtwinkliges Grundrissraster. Die 27 Dörfer im Antragsgebiet weisen noch heute gut ablesbare Siedlungsformen aus, die im Hochmittelalter angelegt worden sind.

Die hochmittelalterlichen Burgen dominieren machtvoll die Flusstäler von Saale und Unstrut. Der Naumburger Dom als Glanzpunkt des Gebietes und die Marienkirche von Freyburg prägen beide Städte. Ein Großteil der Dorfkirchen hat die Bauformen der Romanik bewahrt. Das Kloster Pforta mit seiner Klosterkirche belegt den hohen Rang der hochmittelalterlichen Baukultur des Zisterzienserordens. Dazu kommen die wesentlichen kulturlandschaftlichen Prägungen des Gebiets durch die Bewirtschaftung der Feld- und Weinanbauflächen mitMühlen und Wirtschaftsgebäuden. Der außergewöhnliche und universelle Wertder Herrschaftslandschaft besteht darin, dass sie wegen ihrer hohen Zeugnisdichte ein hervorragendes Zeugnis einer hochmittelalterlichen Raumorganisation ist. Auf engstem Raum ist hier das gesamte Instrumentarium der Landerschließung, Landnutzung und herrschaftlicher Durchdringung des 11. bis 13. Jahrhunderts so deutlich ablesbar wie nirgendwo in Europa.

Zurück